Manfred (Manni) Pfaus, Berlin
  Manfred (Manni) Pfaus, Berlin

Die Demografische Herausforderung

Demografiewoche der SeniorenUnion im Neckar-Odenwald-Kreis 2012 - Impulsreferat Manfred Pfaus

Die SeniorenUnion hat zusammen mit der FrauenUnion im Neckar-Odenwald-Kreis in Kooperation mit dem CDU-Stadtverband Osterburken hat Sie, meine Damen und Herren, nach Osterburken eingeladen, um in offener Runde darüber zu diskutieren, ob die Auswirkungen des demografischen Wandels für den ländlichen Raum Schicksal ist, oder ob es Möglichkeiten gibt, gegenzusteuern.

 

Ich gestehe, dass die Initiative bisher einiges an Aufwand gekostet hat. Als Initiator und wir alle im Team sind aber sicher, dass es wichtig war, dass gerade die SeniorenUnion vorausmarschiert, und mit ihr die FrauenUnion. SeniorenUnion deshalb, weil wir – jeder auf seine Weise – Erfahrungen mit den unterschiedlichsten politischen Entwicklungen einbringen können und: weil wir nix mehr werden wollen.

 

FrauenUnion deshalb, weil gerade die Frauen im Mittelpunkt aller menschlicher Entwicklungen stehen:

  • Nur sie können Kinder bekommen;
  • sie sind in besonderer Weise bei derSozialisation (Erziehung) gefragt
  • sie sind noch immer in besonderer Weise bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefragt;
  • sie sind in besonderer Weise bei der Pflege der Alten involviert.

 

Und ich will gleich politisch werden: Mit dieser Thematik kann kein Wahlkampf gemacht werden. Denn dieser ist immer am nächsten Wahltag orientiert. Unsere Thematik, die uns hier und heute zusammenführt, hat nichts mit dem nächsten Wahltag zu tun. Hier muss der Blick auf 20 und 30 Jahre vorausgerichtet werden. Von daher drücken sich viele Politiker in allen Parteien vor dieser Thematik – auch in der, die unser Team vereint.

 

Aus genannten Gründen haben wir die Thematik zur unseren gemacht.

 

Es soll versucht werden, die maßgeblichen Kräfte in unserem Raum zu einem Denk- und Handlungspool zusammenzuschließen, der mutig und entschlossen genug ist, Instrumente zum Gegensteuern zu entwickeln und diese an die heranzutragen, die an den Entscheidungsstellen sitzen. – Wir behaupten, dass es diese Instrumente gibt.

 

Wir haben Sie in unsere Diskussionsrunde eingeladen, weil wir meinen, Sie seien in der Lage, Mitglieder – zumindest Katalysatoren – in diesem „Denk- und Handlungspool“ zu sein.

 

Die „Metropolregion Rhein-Neckar“ hat als ihre Losung für die von ihr in diesen Tagen veranstaltete Demografiewoche ausgegeben: „Wir werden weniger, älter, bunter und vereinzelter“. Da steckt viel Zündstoff drin. Wenn die Lunte daran gelegt wird, kann offenbar werden, welcher Flächenbrand sich da entzünden kann.

 

Wir haben hierzu die Frage gestellt, ob wir eher Anhängsel in der „Metropolregion“ sind oder bei der sich abzeichnenden demografischen Entwicklung vielleicht zum Abhängsel in der Nordostecke unseres Landes werden, zu dem noch immer die Abkanzelung „Badisch Sibirien“ gehandelt wird.

 

Ich will ein paar wenige repräsentative Fakten und untermauernde Zahlen vorstellen, die die eingetretenen und die weiter zu erwartenden demografischen Entwicklungen verdeutlichen.

1. Der Neckar-Odenwald-Kreis hat in den letzten 10 Jahren rund 5.000 Einwohner verloren. Es ist prognostiziert, dass der Kreis in weiteren 10 Jahren die gleiche oder – je nach Annahmen – eine höhere Zahl an Bewohnern verliert. Wenn man sich dies verdeutlichen will: Alle 10 Jahre verschwindet eine Stadt wie Osterburken.

2. Es gibt Dörfer, in denen seit Jahren kein Kind mehr geboren wird. Dies gilt beispielweise für mehrere Stadtteile von Buchen.

3. Ausschnitte aus der „Alterspyramide“ im Neckar-Odenwald-Kreis Ich stelle die Entwicklung von 4 Altersgruppen dar:

 

                   0-20        über 80          20-40            40-65         

2010:         29.891       8.015           33.796          55.640

2015:         27.535       9.052           33.495          55.295

2020:         25.857     11.037           33.102          53.620

2025:         24.977     11.085           31.745          50.896

2030          24.365     11.657           30.005          47.385

zu 2010     81,51%   145,44 %        88,72 %        85,16%

 

Auf den ersten Blick mag man zwei Fragen stellen:

a) Woher weiß man das?

b) Was soll das?

Zu a): Die in 20 Jahren Lebenden kennt man. Die sind ganz einfach 20 Jahre älter als jetzt, abzüglich der mathematisch berechenbaren Sterberaten.

- Wer also heute 60 ist, gehört in 20 Jahren zu den „über 80Jährigen“.

- Wer heute 20 ist, gehört in 20 Jahren zu den 40Jährigen.

Zu b) Die in 20 Jahren zu den „im besten Saft Stehenden“ sind zu wenige, die die notwendigen Steuern und Beiträge für die Rentenempfänger und die Infrastruktur zahlen sollen. Und die werden weniger.

Die heute rüstigen 60Jährigen sind in 20 Jahren die 80Jährigen, die Anspruch haben, von den Übrigen versorgt, gepflegt, ausgeführt, gewickelt und geliebt zu werden. Und die werden mehr.

 

4. Die statistischen Angaben müssen durch zwei besondere Merkmale ergänzt werden:

Die „natürliche“ Statistik und die Statistik unter Berücksichtigung von Zuwanderungen.

 

Ich vergleiche mal den Neckar-Odenwald-Kreis mit unseren Nachbarkreisen und mit Baden-Württemberg - und nun von 2008, hochgerechnet auf 2020:

                                           2008         2030 o.W.     2030 m.W.          o.W.       m.W.

Neckar-Odenwald-Kreis   148.763        141.650         137.200         - 7,8 %    - 4,8 %

Rhein-Neckar-Kreis          535.284        517.876         488.927         - 8,7 %    - 3,3 %

Landkreis Heilbronn         329.743        321.710         313.412         - 5,0 %    - 2,4 %

Main-Tauber-Kreis           134.939        126.208         122.856         - 9,0 %    - 6,5 %

Hohenlohekreis                109.499        106.348         104.597         - 4,5 %    - 2,9 %

Baden-Württemberg    10.749.506   10.373.552      9.989.147         - 7,1 %    - 3,5 %

  o.W. = ohne Berücksichtigung von Wanderungsbewegungen

  m.W. = mit Zuwanderung

 

Erste Schlussfolgerungen:

a) Wir sollten uns daran gewöhnen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und sollten das begrüßen.

b) Durch die statistisch zu erwartenden Zuwanderer sind unsere Zahlen nicht ganz so liederlich.

 

Ich will Ihnen nun aus den von uns erarbeiteten Kernthesen die wesentlichen vorstellen und erläutern:

Die vorgetragenen Zahlen und unsere Lebenserfahrung machen uns bewusst, dass sich die Verhältnisse in Europa, in Deutschland und in Baden-Württemberg in einem tief greifenden Wandel befinden. Aber: Diese Veränderungen treffen den ländlichen Raum überproportional in ihren Auswirkungen.

 

1. Ich beginne mit dem Bildungssystem:

- Wenn es in Schulen, die einmal als große Grund- und Hauptschulen gebaut und in der Regel gut ausgestattet worden sind, Klassen mit weniger als 10 Kindern gibt, steht die Existenz solcher Schulen auf dem Spiel.

- Wenn Gemeinschaftsschulen gebildet werden sollen, wird der Aussterbeprozess gewaltig beschleunigt. Die notwendigen Konzentrationen schaffen neue Anforderungen ans Transportsystem.

- Wenn die Universitäten und sonstigen Hochschulen keine Bezüge zum ländlichen Raum mit Ausbildungs- und Praktikantenplätzen haben, werden die Absolventen aus dem ländlichen Raum nicht nur zur Ausbildung sondern endgültig verlassen.

 

2. Die Wirtschafsstruktur in den ländlichen Räumen ist mittelständisch geprägt. Konzernbetriebe sind eher selten. Die Landwirtschaft hat ihre Bedeutung als tragende ländliche Wirtschaftskraft längst verloren. Die Jungen suchen qualifizierte Arbeitsplätze. Frauen suchen berufliche Qualifikationen.

- Wenn deren Anzahl eine bestimmte kritische Masse nicht erreicht, suchen Betriebe ihre Fachkräfte in der Zuwanderung. Diese setzt aber eine Grundattraktivität des Wohn- und Lebensumfeldes voraus, die im ländlichen Raum nur schwer darstellbar ist.

- Der Landwirtschaft kommt neben der Sicherung der Nahrungsrohstoffe eine erweiterte Rolle im Bereich der Natur- und Landschaftspflege und in industrienahen Leistungsbereichen zu. Das setzt gewisse Konzentrationen voraus, die lange und sichere Verkehrswege benötigen.

 

3. Zur Grundattraktivität eines Raumes gehört die notwendige Infrastruktur, von der Wasserversorgung bis zum Verkehr.

- Infrastruktur setzt Auslastung durch Nutzer voraus. Wenn diese fehlen, steigen die Kosten.

- Im dezentral angelegten Wirtschafts-, Ausbildungs- und Unterhaltungssystem steigt das Mobilitätsbedürfnis. Es sind Verteilungskämpfe auf diesem Sektor wie bei der Aufrechterhaltung des Bildungssystems zu befürchten.

 

4. Von hoher Bedeutung ist der im Gang befindliche Auflösungsprozess der Familie und die daraus sich ergebenden Folgewirkungen.

- Wo die Mitglieder von Familien seither zusammenstanden und Wirtschafts- und Notgemeinschaften bildeten, ergeben sich mehr und mehr Leistungsanforderungen an Gemeinde und Staat.

- Da auch hier bestimmte Mindestmassen zusammenkommen müssen, ergeben sich Konzentrationseffekte mit hohen Managementanforderungen an alle Beteiligten.

 

In der Bewertung der exemplarisch vorgestellten Entwicklungen ergibt sich für uns die schwer wiegende Feststellung, dass die Maxime von den gleichwertigen Lebensverhältnissen in den ländlichen Raum gegenüber den Ballungsräumen immer weniger zutrifft.

 

Die Rahmenstrukturen in den ländlichen Räumen,

- die gesellschaftlichen (zu denen auch die kirchlichen und sonst sozialen gehören)

- die staatlichen

- und die politischen,

werden den stattfindenden und weiter sich herausbildenden Entwicklungen nicht mehr gerecht. - Deshalb ist Gegenhalten und Gegensteuern wichtig.

 

Politische Maximen

Ich stelle abschließend einige politische Maximen vor, auf denen dann konkrete Handlungsmaximen aufbauen.

  1. Der ländliche Raum muss als zukünftiger attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum entwickelt und gesichert werden.
  2. Die gesetzlichen Rahmenstrukturen müssen angepasst werden. (z.B. LBO).
  3. Es darf kein Kompetenzwirrwarr zwischen den Planungs- und Entscheidungsebenen geben, dafür Planungssicherheit für Investoren.
  4. Staatliche und regionale Verwaltungszentren sind in den ländlichen Raum zu verlagern.
  5. Die Kommunen müssen in die Lage versetzt werden, die öffentliche Daseinsvorsorge zu gewährleisten. Die Finanzausgleichsregelungen sind anzupassen.
  6. Die Dorfentwicklungsprogramme müssen neu justiert werden.
  7. Es wird strategische Zusammenschlüsse geben müssen - in der kommunalen und regionalen Struktur, - in der Wirtschaftsstruktur - in den soziokulturellen Strukturen Der dabei entstehende Wettbewerb muss erkannt und bewältigt werden.
  8. Es sind nachhaltige Konzepte für aufgelöste Militärstandorte zu entwickeln.
  9. Es sind Strategien zu entwickeln, Fehler aus der Vergangenheit nicht fortzusetzen - Kinder als Bereicherung nicht als Einschränkung sehen - Verträglichkeit Arbeit, Lebensführung und Kinder gestalten - Identität und die Gemeinschaft bilden und erhalten.
  10. Die soziale/karitative Versorgung wird anders aufgestellt werden müssen. - Es werden neue Netzwerke zu schaffen sein - Abwanderungsbewegungen vermeiden - Gewährleistung kirchlicher Versorgung
  11. Die Altenversorgung wird zur besonderen Herausforderung.
  12. Die Entwicklung des ländlichen Raums muss zur Querschnittsaufgabe von Gesellschaft und Politik werden.
  13. Es sind Schlüsselpersonen zu gewinnen, die Vorreiterrollen übernehmen - in Gesellschaft und Politik

Mein Fazit: Es klingt ja ganz schön und ist auch richtig „Wir werden weniger, älter, bunter und vereinzelter.“ Uns muss es darum gehen, unseren ländlichen Raum als lebens- und liebenswerte Heimat zu erhalten – und zu entwickeln.

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Die Handlungsmaximen lauten hierzu:

  1. Gewährleistung von Wirtschaftskraft - Standortbonus für Unternehmen im ländlichen Raum - attraktive Arbeitsplätze (auch für Anwerbung von Fachkräften) - Stärkung des Hotel- und Gastronomiegewerbes
  2. Gewährleistung von Bildungsangeboten in der ganzen Breite - Schulpolitik braucht gerade im ländlichen Raum. - Kultur- und Freizeitangebote - Raum für ehrenamtliches Engagement - Gewährleistung von Erwachsenenbildung - Hochschulstandorte - Verzahnung der Hochschulen mit lokalen Unternehmen
  3. Gewährleistung von attraktivem Wohnumfeld und Wohnraum - Junge Familien und neue Wohngemeinschaften - Verzahnung der Generationen, Bevölkerung langfristig binden
  4. Gewährleistung von Infrastruktur - Straßenbau - Ver- und Entsorgung - Effiziente Anbindung an Oberzentren durch Straßen und Schienen - Bahnhofsmodernisierung - auch im Blick auf den Tourismus
  5. Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte und innovative Verkehrskonzepte - internetgestützte Fahrgemeinschaften - Synergieeffekte erreichen
  6. Entwicklung langfristiger Gesundheitsstrategien - Grundversorgung - Anbindung an Unikliniken - Landärzte
  7. Gewährleistung einer flächendeckend funktionierenden und wettbewerbsfähigen Landwirtschaft - Vermeidung von Monokulturen - Vermeidung zusätzlicher naturschutzrechtlicher Beschränkungen
  8. Neue Versorgungsstrukturen feste und mobile Dorfläden; dabei Deckung der Wirtschaftlichkeitslücke Außenstellen der Supermärkte - Umnutzung bestehender Substanz (z.B. Schulhäuser)
  9. Gewährleistung von schnellem Internet und ausreichender Mobilfunk-Erreichbarkeit - neue Netzwerke und - Plattformen für Information und Kommunikation

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Stand: November 2017

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